31.07.2005: Die praktische Prüfung für den PPL-A
Am Mittwoch, 20.07.05 war es soweit, ich hatte
einen Prüfungstermin zum Erwerb des PPL-A.
Zu diesem Ziel hatte mich mein Fluglehrer Reinhold
Laugallies begleitet, der mit seiner Lehrmethode mir es ermöglichte mit der
vorgeschriebenen Mindeststundenzahl den Gang zur Prüfung anzutreten. Ohne
ihn wäre vieles nicht oder zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen.
Aber jetzt zum Interessanten, den Ablauf der
praktischen Prüfung:
In Abstimmung mit Hans Forsbach nahm ich selbst
telefonisch Kontakt mit dem Luftamt-Süd auf und hier an Herrn Rainer
Schacht Prüfer verbunden. Nach einem ersten Telefonat vereinbarten wir, dass
ich ihn zur konkreten Terminvereinbarung am Die., 19.07 anrufen werde.
Bei diesem Telefonat nannte Herr Schacht mir als
Termin den Folgetag, als Prüfungsort Flugplatz Oberschleißheim und einen
Flug zum Segelflugplatz Königsdorf, weiter zum Landeplatz Vogtareuth und
wieder zurück nach Oberschleißheim. Ich notierte mir noch das
Personengewicht und war mit allen Informationen für den Prüfungsflug
versorgt.
Reinhold L. hatte am Prüfungstag die Piper schon
vorbereitet und auftankt, so dass wir rechtzeitig in Richtung
Oberschleißheim zum vereinbarten Zeitpunkt (13.00 Uhr) losflogen. Herr
Schacht begrüßte uns kurz und meiner erster Eindruck, wie auch schon am
Telefon, war eher positiv. Ohne weitere Umschweife ging’s dann gleich zum
Flugzeug. H. Schacht bat mich einen Außencheck durchzuführen, der allerdings
nicht bis ins letzte Detail gemacht werden musste. Anschließend gab mir Herr
S. kurz den Prüfungsverlauf bekannt und betonte, dass er mich nicht
übermäßig stressen möchte und im ersten Teil die Streckennavigation im
Vordergrund steht. Für die Aufgaben im zweiten Teil sollte ich mich auf
Ziellandeübung, Steilkurven u. Radionavigation einstellen.
Meine vorbereiteten Papiere wie Flugplanung, GAFOR,
NOTAM usw. wurden nicht eingesehen. Startvorbereitung und Start führte ich
unter genauer Beachtung der Checkliste durch und ich denke, das wollte er
auch sehen.
Nach dem Start den Transponder nicht vergessen! Ich
habe ihn vergessen, H., Schacht hat mich freundlich darauf hingewiesen.
Meine Strecke führte mich zunächst am Autobahnring entlang in Richtung
Süden. Hier verwechselte ich das BAB-Kreuz Nord mit BAB-Kreuz Süd. Der
Prüfer versuchte mich auf die richtige Spur zu bringen, indem er mich querab
auf den Flugplatz Neubiberg aufmerksam machte. Ich erkannte aber meinen
Irrtum nicht und am Kreuz Süd klärte er mich auf. Auch hier wieder in
ruhigem Ton und keinesfalls verärgert.
Der weitere Flug verlief zum Glück navigatorisch
einwandfrei. Kurz vor Holzkirchen nimmt der Prüfer unvermittelt das Gas raus
und möchte das in Frage kommende Notlandefeld wissen. Wir waren genau über
dem Flugplatz Warngau (Betonpiste) und somit alles klar. Bei 15 Knoten Wind
war meine Einteilung am Schluss etwas knapp, aber der Prüfer meinte, dass es
gereicht hätte. Der Prüfer beendet die Übung in ausreichender Höhe und gibt
selber wieder Gas. Danach nehme ich wieder die Orientierung auf meinen
geplanten Kurs auf. Herr S. möchte die Ortschaft Holzkirchen (Höhe
Tegernsee) gezeigt bekommen, was mir gelingt.
Weiter geht es in Richtung Vogtareuth. Den Flugplatz
finde ich im ersten Versuch und kann danach zurück auf Kurs Oberschleißheim
gehen. Nach kurzer Strecke geht’s los mit den Übungen.
Steilkurven mit 45 Grad jeweils rechts und links
rum. Nach der ersten Linkskurve, die nicht so optimal war, gab mir der
Prüfer ein paar Tipps und ich versuchte mich an der Rechtskurve, die
wesentlich besser ausfiel. Danach 180 Grad mit der CVFR-Brille, wieder
einmal links und rechts. Weiter etwas umfangreicher die Radionavigation.
Meistens stellt der Prüfer schon die Station selber ein, will aktuelles QDM
wissen und gibt ein Soll-QDM vor, so dass immer einen Anschneidekurs im
allgemein üblichen Rahmen verlangt wird. Also keine wilden Kurven zu
fliegen. Stationskennung abhören – spielte eher eine untergeordnete Rolle.
Dieser Übungsteil war am interessantesten, weil Herr Schacht noch ein
bisschen über die Historie der Navigation und Entwicklung der Geräte
plauderte. Wirklich sehr angenehme und entspannte Atmosphäre.
Mit Blickrichtung Nordwest und Allianzarena (man
muss den Fußballgöttern danken – ein nicht zu übersehender Navigationspunkt)
ging es weiter nach Oberschleißheim. Wie von H. Schacht angekündigt, ging es
auf 3000 Fuß (mehr geht nicht, da CTR MUC) zur Ziellandeübung auf die RW 26.
Wie schon erwähnt, hatte ich mit böigen Wind zu kämpfen. Wahrscheinlich aus
diesem Grund und weil ja eine Überhöhung von 2000 ft über dem Platz nicht
möglich war, gab mir H. Schacht kleine Tipps für eine Raumaufteilung und
eine letztlich gut gelungene Ziellandung. An diesem Punkt hat er mir
zweifellos bis ins Endteil direkt geholfen, Aufsetzen und Durchstarten
wieder in eigener Regie und ohne Probleme. Es folgte Einflug in die
Platzrunde und H. Schacht kommentiert die „netten“ Anrainer des Flugplatzes:
„Die rufen schon an, wenn sie den Schatten eines Flugzeuges sehen“.
Danach Abschlusslandung und kurz vor dem Aufsetzen
erwische ich eine Böe von rechts, so dass ich die schöne Piper (ich sage ja
immer, das „Fliegende Wohnzimmer“ des Fliegervereins) etwas schräg aufsetze.
Rollen über die Bahn zum Vorfeld, abstellen und....
„Das war in Ordnung“. Die erlösenden Worte des
Prüfers. Ich kann es kaum fassen und möchte am liebsten durch die Decke
(Kabine) springen.
Was ich wirklich gut fand, war die anschließende
Besprechung mit Reinhold und mir, für die sich H. Schacht Zeit nahm, bis wir
wirklich keine Fragen mehr hatten. Aus den zahlreichen Berichten im Internet
kenne ich da ganz andere Dinge.
Fazit: Nach den Erzählungen vergangener Jahre weiß
man ja, dass das Luftamt‑Süd mitunter Prüfer hatte, die für die Prüfung mehr
oder minder zusätzlich Stress bedeuteten. Man kann froh sein, dass es Prüfer
wie Herrn Schacht gibt, die absolut praxisorientiert beurteilen, sich nicht
an kleinen Fehlern stören, sondern versuchen ein Gesamtbild des Prüflings
und seines Könnens zu erlangen.
Für alle Fehler oder Unstimmigkeiten gab es immer
eine Chance zur Verbesserung oder gar einen freundlichen Hinweis, der mich
gleich auf die richtige Spur brachte. Ich glaube, einen besseren Prüfer mit
der Einstellung zur Materie, wie sie Herr Schacht gezeigt hat, kann man sich
nicht wünschen.
Und das Beste zum Schluss: Bereits 3 Tage nach der
Prüfung lag der Flugschein bei mir im Briefkasten! Alle Achtung,
Luftamt-Süd!
Ich wünsche allen Flugschülern und Prüflingen viel
Glück!
Peter Kinderknecht